Gästerecht

Nicht jeder mag Gäste empfangen, so tut er es auch nicht oft. Mich beschäftigt es zurzeit, inwieweit dies davon abhängt, wie sich „Gebote“ im Zusammenhang mit der Gastfreundschaft, mit der Wertordnung des Gastes und des Gastgebers zusammenfügen oder gerade gegeneinanderprallen.

Im Hintergrund der Gastfreundschaft kann sowohl Zwang, als auch Spaß stecken. Dies ergibt sicht daraus, dass viele Leute nicht nur diejenigen als Gäste einladen, die sie gern haben und respektieren, mit denen zusammen sie gerne ihre Zeit verbringen, sondern auch diejenigen, mit denen es weder die gemeinsamen Wellenlänge noch der gegenseitige Respekt vorhanden sind.

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(Backen: P’alapassion)

Der gute Gastgeber ist bestrebt, alles dran zu setzen, damit sich seine Gäste wohl fühlen. Es hat mehrere Stufen.

  1. Der Gast darf vieles tun und lassen, aber vieles nicht.
  2. Der Gast darf alles tun und lassen, was die Gastgeber selbst auch, aber nichts weiter.
  3. Der Gast darf alles tun und lassen, auch das, was selbst die Gastgeber nicht.

Man geht zu Gast in der Hoffnung oder mit dem Wunsch, sich wohl zu fühlen und Spaß zu haben. Dabei oder dennoch gibt es verschiedene Typen von Gästen.

  1. Als Gast erlaubt man sich weniger, als unter den eigenen vier Wänden.
  2. Der Gast erlaubt sich überall genauso viel wie zu Hause.
  3. Der Gast erlaubt sich woanders mehr, als er anderen bei ihm zu Hause erlaubt.

„Fühlen Sie sich wie zu Hause“ – pflegt man zu sagen, wenn er zu den anderen freundlich sein möchte. Was aber, wenn unser Gast sich zu Hause meist nicht wohlfühlt, beziehungsweise auch solche Sachen tun möchte, welche mit unseren Sichtweisen nicht mehr zu vereinbaren sind oder die ihm in seinem eigenen Heim ja gar nicht einmal einfallen würden?

Die Gastfreundschaft hat oder hätte erst wirklich einen Sinn, wenn der gute Gast seinen guten Gastgeber finden und der gute Gastgeber zugleich auch gute Gäste verdienen würde, damit die Bewirtung für beide Parteien ein schönes Erlebnis sein könnte und in beiden schöne Erinnerungen hinterlassen würde.

Gabriella Vid

[Deutsche Übertragung von Endre Bodor]

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