Wie wird das ausgehen?

Oder ob sich die Waage zu der einen oder der anderen Seite neigt.

Nach einer unserer Hamlet-Vorstellung kam es zu einem Treffen in der gemeinsamen Organisation des Örkény István Theaters und der Ungarischen Shakespeare-Kommission, wo sich die Shakespeare-Forscher mit dem Regisseur und den Schauspielern unterhielten. Natürlich im Kreise des Publikums, das am Stück, am Autor, sowie an den Darstellern und ihrer Werkstatt interessiert war.

Stratford-upon-Avon
(Foto: Gabriella Vid)

Dann erzählte Csaba Polgár, wie viele Worte er mit Laci Bagossy darüber gewechselt hatte, welcher der stärkere Beweggrund in den Absichten und Ausdrucksformen von Hamlet sei, wie sein Charakter in der Wirklichkeit sei, inwieweit er tatsächlich vom Wahnsinn in seinen Bann gezogen werde. Und dass sie eigentlich zur Schlussfolgerung gekommen seien, dass man es im Voraus gar nicht entscheiden könne und auch nicht müsse. Das steht von Vorstellung zu Vorstellung auf dem Spiel, und als Csabi in der Rolle von Hamlet auf dieser sehr schmalen Grenzlinie entlang balanziert, die den Wahnsinn von der Normalität, die Untätigkeit von der Handlung, die Verzweiflung von der Zuversicht, das Gewisse vom Ungewissen, das Wahrscheinliche vom Unwahrscheinlichen trennt, dann und erst dann und dort wird entschieden, wie es ausgehen wird.

Es ist beunruhigend schwierig und zugleich auch extrem aufregend, dass es ebenso darauf ankommt, nachdem man die Bühne verlässt und aus dem Theater hinaustritt, wann und warum sich die Waage in der in uns bestehenden Dualität von Gut und Böse schließlich zu der einen oder der anderen Seite neigt.

Gabriella Vid

[Deutsche Übertragung von Endre Bodor]

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